21.10.2021 · 22:45

Léon Wuidar
Eine Retrospektive

kuratiert von Sabine Schaschl

Quadrate und Rechtecke, Polygone mit gebogenen Kanten, Kreise und Kreissegmente, gespiegelt, vervielfacht und in verschiedenen Farbkontrasten einander gegenübergestellt, das sind die zentralen Elemente in den Kompositionen, die Léon Wuidar seit den 1960er-Jahren entwickelt. Das Museum Haus Konstruktiv richtete dem belgischen Maler auf zwei Stockwerken eine umfassende Retrospektive aus; es war seine erste Ausstellung in der Schweiz. Zu sehen waren ausgewählte Werke aus seinem Œuvre, das neben Gemälden auch Skizzenhefte, Kunst-am-Bau-Projekte und Buchcover-Illustrationen umfasst.

Léon Wuidar, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich
Léon Wuidar, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich

Léon Wuidar beginnt seine Karriere 1955 als Autodidakt. Nach der Erprobung verschiedener figurativer Stilrichtungen nähert er sich um 1964 zusehends der geometrischen Abstraktion. Dahinter steckt sein Interesse an der konstruktiv-konkreten Kunst sowie an Architektur, Raum, Volumen, Perspektive und Licht. Es ist insbesondere die brutalistische Architektur, die ihn fasziniert. Wichtige Impulse hierfür erhält er vom belgischen Architekten Charles Vandenhove, der u.a. das Universitätsspital C.H.U. Liège im Stil des Brutalismus entworfen und mit Wuidar in mehreren Kunst-am-Bau-Projekten zusammengearbeitet hat.

In Léon Wuidars frühen Gemälden aus den 1960er- und 1970er-Jahren dominieren stilisierte architektonische Elemente wie Säulen, Dächer oder Fenster. Ab den 80er-Jahren wird sein Formenvokabular minimalistischer, wohingegen sich seine Farbpalette von natürlichen zu leuchtend bunten Farbtönen verschiebt. In neueren, gelegentlich auch in Pastellfarben gemalten Arbeiten lassen sich ferner Wortspiele finden, die Wuidars Affinität zur Sprache und Typografie zum Ausdruck bringen. 

Die Retrospektive im Museum Haus Konstruktiv zeichnete Léon Wuidars künstlerische Entwicklung nach und präsentierte sein bis anhin noch wenig bekannte Œuvre erstmals dem Schweizer Publikum. Mit der Ausstellung wurde zugleich der streng systematischen Kunst der Zürcher Konkreten eine freiere Interpretation konkreter Malerei gegenübergestellt. 

Zur Ausstellung erschien ein Katalog in englischer Sprache, mit zahlreichen Abbildungen, einem eingehenden Textbeitrag von Sabine Schaschl und einem Interview, das Hans Ulrich Obrist mit Léon Wuidar führte. Erhältlich im Shop oder online.

Trailer zur Ausstellung >>>

Léon Wuidar, Museum Haus Konstruktiv, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich
Léon Wuidar, Museum Haus Konstruktiv, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich
Léon Wuidar, Ausstellungsansicht, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich
Léon Wuidar, Ausstellungsansicht, 2020. Foto: Stefan Altenburger © 2020, ProLitteris, Zürich


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21.10.2021
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