05.07.2022 · 00:13

Sonia Kacem
Le Superflu (Zurich Art Prize 2021)

kuratiert von Sabine Schaschl

Der jährlich vom Museum Haus Konstruktiv und der Zurich Insurance Group Ltd vergebene Zurich Art Prize geht 2021 an Sonia Kacem (*1985 in Genf, lebt und arbeitet in Amsterdam). Die schweizerisch-tunesische Künstlerin ist die 14. Gewinnerin dieser renommierten Auszeichnung. Der mit CHF 100'000 dotierte Preis setzt sich aus einem Budget von CHF 80'000 für die Produktion einer Einzel-ausstellung im Museum Haus Konstruktiv und einer Preissumme von CHF 20'000 zusammen.

Sonia Kacem, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger
Sonia Kacem, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger

Sonia Kacem zeichnet sich in ihrer künstlerischen Arbeit durch eine hohe Sensibilität für Materialien aus, die sie dem alltäglichen Konsumkreislauf entnimmt: Darunter finden sich verarbeitete, teils aus Secondhandläden oder Onlineshops bezogene Produkte unterschiedlichster Art, etwa Sonnenmarkisen oder Alltagstextilien, aber auch Werk- und Roh-stoffe wie Vinyl, Farbe oder Holz, die sie zufällig entdeckt oder direkt von den jeweiligen Produktionsstätten bezieht. Aus ihnen entwickelt die Künstlerin raumgreifende installative und skulpturale Anordnungen, in denen sie mit unserer Erwartungshaltung hinsichtlich der Beschaffenheit und Funktion der Materialien spielt. Kacems Interesse gilt dabei insbesondere dem Ausloten unterschiedlicher Spielarten von Abstraktion, den Übergängen von Fläche und Volumen oder auch Fragen der Massstäblichkeit. Ihre Inszenierungen eröffnen ein weites Feld von Assoziationen und hybriden kulturellen Kontexten. Formal verweisen sie auf verschiedene Epochen und Stilrichtungen der Kunstgeschichte, Einflüsse der Minimal Art sind genauso zu erkennen wie solche des italienischen Barocks oder der arabisch-islamischen Kunst.

Für Ihre Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv hat Kacem ihre langjährige Beschäf-tigung mit Farbe, Muster, Dekoration, Ornament, Kalligrafie und dem Gestischen weiterverfolgt. Ihre Einzelausstellung auf den ersten beiden Stockwerken des Hauses steht in einem engeren Zusammenhang mit ihrem sechsmonatigen Atelierstipendium in Kairo 2019 und insbesondere der darauffolgenden Zeit, die geprägt war von einem pandemie-bedingt zurückgezogenen Leben und Arbeiten in Amsterdam. In Kairo vertiefte die Künstlerin ihre Recherchen zur nichtfigurativen Kunst des Nahen Ostens, zu deren kalligrafischen, geometrischen und floralen Formen, kommt ihnen doch eine andere Funktion und Bedeutung zu als der Abstraktion in der westlichen Kunst- und Kultur-geschichte der Moderne. Solche Recherchen sowie alltägliche Eindrücke aus der nord-afrikanischen Metropole verarbeitete Kacem in Fotografien, Kurzvideos und Aquarellen. Zurück in Amsterdam und im Lockdown, konnte Kacem vor allem Letztere als reiche Inspirationsquelle für die Entwicklung einer neuen Gruppe von Wandobjekten nutzen, deren Grösse auf den häuslichen Kontext verweist, in dem sie entstanden sind. Sie werden im ersten Stock zusammen mit zwei früheren Werkgruppen präsentiert. Und auch die immersive Installation, die sich nach eingehender Auseinandersetzung der Künstlerin mit der Museumsarchitektur raumgreifend im Erdgeschoss entfaltet, ist von den bildhaften Notizen aus Kairo inspiriert. Sie also bilden ideell den roten Faden, der die beiden Ausstellungsräume miteinander verbindet.

Trailer zur Ausstellung >>>

Artist Talk: Sonia Kacem im Gespräch mit Sabine Schaschl >>>

Sonia Kacem, Ausstellungsansicht Le Superflu, Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger
Sonia Kacem, Ausstellungsansicht Le Superflu, Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger
Sonia Kacem, Installationsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger
Sonia Kacem, Installationsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2021. Foto: Stefan Altenburger


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05.07.2022
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