29.05.2022 · 10:40

Geometrische Opulenz

kuratiert von Sabine Schaschl

Mit der Ausstellung Geometrische Opulenz präsentiert das Museum Haus Konstruktiv eine grosse Gruppenschau, die einen lustvollen Umgang mit der geometrischen und abstrakten Kunst zelebriert. Zu erleben sind Werke von John Armleder, Claudia Comte, Sylvie Fleury, Franziska Furter, Peter Halley, Mary Heilmann, Timo Nasseri, Nathalie Du Pasquier und Elza Sile.

Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit
Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit "Heads and Tails" von Claudia Comte, Museum Haus Konstruktiv, 2022. Foto: Stefan Altenburger

Geometrie und Opulenz werden im Allgemeinen als Gegensatzpaar aufgefasst: Während Geometrie für Rationalität, Ordnung und Reduktion steht, wird Opulenz mit vereinnahmender Üppigkeit, Übermass und Redundanz assoziiert. Ein Blick in die Geschichte der Kunst zeigt, dass beide durchaus miteinander verbunden sind, insbesondere wenn ein geometrisches Motiv in der Vervielfältigung ornamentale Züge annimmt oder zum Muster wird. Der Kunsthistoriker Markus Brüderlin bemerkte in einem Text von 2012 (erschienen in dem Sammelband Ornament. Motiv – Modus – Bild), dass sich das Ornamentale in der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts immer wieder als wichtiger Impulsgeber zeige und sich spätestens in der neu erstarkten Abstraktion der 1980er-Jahre im «Hang zum Ornamentalen» verstärkt äussere.

Am Beispiel national und international renommierter Kunstschaffender stellt das Museum Haus Konstruktiv in der Ausstellung Geometrische Opulenz die Frage, wie es heute um die Verschränkung von Geometrie und Opulenz steht, ab wann etwas als opulent gelesen wird und wie die Gegenwartskunst diesen Themen begegnet. Die eingeladenen Künstler*innen lassen dem Spiel mit Strategien der Vervielfältigung, Verdichtung und Verräumlichung abstrakt-geometrischer Elemente eine besondere Rolle zukommen. Opulenz entsteht hier zum Beispiel durch imposante Formate, eine geballte Ladung Farbe oder eine Häufung von Materialien jeglicher Art. Eine weitere Spielform besteht darin, den zweidimensionalen Bildraum zu verlassen und den Realraum zu vereinnahmen. Ganz im Sinne der Opulenz wurde allen Kunstschaffenden möglichst viel Raum gegeben, sodass sich die Gruppenausstellung aus weitgehend eigenständigen Einzelpräsentationen zusammensetzt. Allen gemeinsam ist, dass sie in ihrer künstlerischen Sprache an Geometrie und Struktur, Variationen und Systemen interessiert sind und zugleich die grosse Geste, der die Opulenz bedarf, beherrschen.

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Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit Werken von John Armleder. Foto: Stefan Altenburger
Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit Werken von John Armleder. Foto: Stefan Altenburger
Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit Werken von Nathalie Du Pasquier. Foto: Stefan Altenburger
Ausstellungsansicht Geometrische Opulenz mit Werken von Nathalie Du Pasquier. Foto: Stefan Altenburger


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29.05.2022
10:30 Uhr MESZ