30.11.2022 · 15:29

Datierung 2002
Bildmasse 240 x 190 cm
Technik/Material Acryl und Kohle auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Cristina Spoerri-Stiftung
Inv.-Nr. SK20010
Cristina Spoerri

Zeichenbild

Wenn die Werke von Cristina Spoerri (1929, Tenero, CH – 2013, Reinach, CH) besprochen werden, fällt oft der kunsthistorische Begriff «Sfumato», mit dem weiche, verschwommene Umrisse oder in nebligen Dunst gehüllte Motive beschrieben werden. Ein Begriff also, den man wohl nicht auf den ersten Blick im Zusammenhang mit dem Museum Haus Konstruktiv erwarten würde, das vor allem das Erbe der konstruktiven und konkreten Kunst pflegt.
Cristina Spoerri wurde im Tessin in eine kunstaffine Familie hineingeboren, schon ihr Vater war Maler und Zeichner. Sie ging früh ihrem Traum nach, ebenfalls Künstlerin zu werden und schrieb sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich ein, wo sie von Johannes Itten – einem ehemaligen Lehrer des Weimarer Bauhauses – in Farbenlehre unterrichtet wurde. Dort setzte sie sich zunächst mit der Textilkunst auseinander, widmete sich aber schon bald der Malerei und erarbeitete in ihrer neuen Heimat Basel und später in Riehen auch grosse Kunst-am-Bau Projekte.
Zwar finden sich bereits in ihrem frühen Schaffen Formelemente, die der Gegenstandslosigkeit zugerechnet werden können – zum Beispiel Kreuze, Kreise und Dreiecke –, doch verwendete sie in ihren Bildwerken auch oft Textfragmente, die aus schablonenartigen Buchstaben zusammengesetzt sind. So fanden Gedichte oder von ihr als Briefe bezeichnete Passagen Eingang in ihr Werk. Dabei erzähle sie zwar keine realen Erlebnisse, aber sie trage ihr spirituelles Suchen, ihre Ziele, ihre Umwege, ihre Zweifel und die gewonnenen Einsichten in ihre Bilder, so die Basler Kunsthistorikerin Dorothea Christ.
Die beiden Werke in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv können zu Cristina Spoerris Spätwerk gezählt werden. Darin sind noch immer viele der Zeichen und Formen enthalten, die sie schon früh nach ihren Ausdrucksmöglichkeiten zu befragen begann, die Bewegung jedoch, die sie im Bildraum scheinbar vollführen, wird leichter und filigraner. Dieser Eindruck ist sicherlich auch dem Bildgrund geschuldet, der in seiner sfumatoartigen Nebelhaftigkeit das Auge herausfordert, tiefer ins Bild einzudringen und auch die verborgeneren Linien und Formen zu erkennen. Denn selbst die klarer gesetzten Kohlestriche im Vordergrund, bleiben in einer dynamischen Bewegung und scheinen eine nur prekäre Balance zu halten. Das Sfumato dient dem Konkreten und verstärkt es.

Linda Christinger




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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30.11.2022
15:15 Uhr MEZ