01.12.2022 · 14:49

Datierung 2020
Bildmasse 27 x 35 cm
Technik/Material Öl auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Inv.-Nr. SK20013
Francisco Sierra

Bauhaus Porn

Mit aberwitzigem Ideenreichtum entfaltet sich die Kunst von Francisco Sierra (1977, Santiago, CL) zwischen den Möglichkeiten der fotorealistischen Malerei, der Eigenlogik surrealistischer Bildfindungen und den Grenzen des guten Geschmacks. Mag sein, dass der in Chile geborene Luzerner dieses Spiel so unverkrampft beherrscht, weil er sich sein malerisches Können und Wissen ohne Prägung durch akademische Kunstausbildungen selbst angeeignet hat. Aufgewachsen in einer kunstaffinen Familie als Sohn eines chilenischen Chemieprofessors und einer schweizerisch-ungarischen Lehrerin, hat Sierra schon in Kindertagen nicht nur viel gemalt, sondern auch Geige gespielt. Seit 1986 in der Schweiz lebend, entschied er sich im Anschluss an das Abitur fürs Musikstudium in Schaffhausen und Utrecht. Doch bald nachdem er 2003 das Diplom als Konzertviolinist erlangt hatte, verliess er die Laufbahn des Geigers, um sich ganz auf die Malerei zu konzentrieren. Damit war er sehr rasch erfolgreich: 2006 erhielt er den Kiefer Hablitzel Preis, 2007 bereits einen Swiss Art Award und 2013 den Manor Kunstpreis St. Gallen. Sierras mitunter frivole Gemälde in perfekt altmeisterlicher Manier überraschen durch ihre Eigenwilligkeit und passen in keine Schublade. Skurrile Stillleben wechseln sich mit comicartigen Wesen und abstrakten Formen ab, und nicht selten ist das Dargestellte anziehend und abstossend zugleich. Der Künstler führt uns mit hintersinnigem Schalk auf eine stete Gratwanderung zwischen Hyperrealismus und Fantastik, High und Low, Pathos und Trivialität.
Sierra malt meist ausgehend von realen Vorlagen, manchmal von offensichtlich selbst getöpferten. Zuweilen liefern auch Episoden des Alltags Inspiration für ein Werk ‒ wie im Fall des 2020 entstandenen Gemäldes «Bauhaus Porn» aus der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv: Als der Künstler im Sommer 2020 in das Programm der überwiegend auf geometrische, ungegenständliche Kunst ausgerichteten Basler Galerie von Bartha aufgenommen wurde, erkundigte sich ein Freund, ob Sierra denn nun selbst abstrakter werden würde. Des Künstlers bildhafte Antwort fiel ebenso scherzhaft wie eindeutig aus. Beispielhaft zeigt das Werk zudem, wie Sierra mit seiner Malerei immer wieder die Dogmen der Kunstgeschichte ‒ ebenso wie jene der Populärkultur ‒ befragt, um sie dann augenzwinkernd und unverfroren zu unterwandern.

Deborah Keller




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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01.12.2022
14:45 Uhr MEZ