30.11.2022 · 15:43

Datierung 2021
Blattmasse 69.5 x 99.5 cm
Technik/Material Tusche und Wachskreide auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers und Alys Williams VITRINE, London/Basel
Inv.-Nr. SK21012
Sam Porritt

Figure Ground Problem Study

Sam Porritt (1979, London, UK) ist ein aufmerksamer Beobachter unserer Alltagsrealitäten. Mit Sensibilität und feinem Humor verarbeitet er widersprüchliche Eindrücke und Empfindungen in Sprachspielen, Zeichnungen, Objekten und skulpturalen Installationen. In ihnen verbindet sich das doppelte Interesse des Künstlers an Themen der Konstruktion, Struktur und Sprache: als konkrete Mittel der Formgebung einerseits und als Perspektivierung gesellschaftlicher Fragen andererseits.
Nachdem Porritt im London der späten 1990er-Jahre vor allem skulptural und filmisch arbeitete, nimmt seit Mitte der 2000er-Jahre die Zeichnung eine eigenständige Position in seinem multimedialen Schaffen ein. Aus seiner Freude an der Direktheit und Spontaneität dieses Mediums entstand eine Vielzahl kleinformatiger abstrakter Tuschezeichnungen in Schwarz und Weiss, die eine figurative Lesart provozieren. Was macht eine Markierung zur Figur? Wann wird eine Linie im Auge der Betrachterin mit Sinn gefüllt? Und welche Rolle spielt dabei die Titelgebung? In einer sprungfederähnlichen Linie entdeckte Porritt ein «Motiv», anhand dessen er den Grenzbereich zwischen Abstraktion und Figuration, aber auch zwischen Sprache und Schrift weiter ausloten konnte. In «Going Forward» von 2010 beispielsweise schreitet eine horizontale Linie unbeirrt über ein tragendes Podest aus horizontal nebeneinandergesetzten und ebenfalls gekringelten Linien hinaus, von links in das Bildfeld weiter in Leserichtung.
Mittlerweile haben sich Porritts Linien auch zu komplexen Mustern zusammengefunden, die sich über die gesamte Bildfläche bewegen und diese zum Experimentierfeld für das Zusammenspiel von Form und Farbe erheben. Die repetitiven, ineinander verschlungenen Formen auf mittel- und grossformatigen Blättern wie «Looking for Footing» (2013) oder «Emperor’s New Clothes» (2016) sind mit jeweils drei Farben koloriert, die der Künstler von der jeweiligen ornamentalen Formensprache, im Rückgriff auf modernistische Farbtheorien oder aus alltäglichen Beobachtungen ableitet. Sie dehnen den Blick des Betrachters in alle Richtungen, ziehen ihn hinein, stossen ihn gleichzeitig zurück und entfalten ein spannungsreiches Spiel zwischen Abstraktion und Figuration, Ornament und Dekoration. So auch die neuste Arbeit dieser Werkgruppe, die sich in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befindet. In «Figure Ground Problem Study» (2021) schmiegen sich wellenartigen Muster in Rot, Blau und Gelb dicht aneinander, drängen abwechselnd vor und zurück und bringen damit ein in der Kunstgeschichte wohlbekanntes Phänomen zur Anschauung, das sogenannte Figur-Grund-Problem. Porritt begegnet ihm mit Leichtigkeit, indem er eine lockere, skizzenhafte Untersuchung daraus macht.
Sam Porritt studierte in London Skulptur am Chelsea College of Art and Design (1999–2002) und absolvierte ein Nachdiplomstudium an den Royal Academy Schools (2002–2005). 2017 und 2020 war er für den Swiss Art Award nominiert.

Eliza Lips




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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30.11.2022
15:30 Uhr MEZ