01.12.2022 · 14:12

Datierung 2017
Objektmasse 19.5 x 99 x 24 cm
Technik/Material Stahl, Holz, Gummi
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch das Legat von Elisabeth Lauener
Inv.-Nr. SK22000
Timo Nasseri

Lepton

Der deutsch-iranische Konzeptkünstler Timo Nasseri (1972, Berlin, DE) setzt sich mit grafischen und geometrischen Formeln, Ziffern und Buchstaben aus Mathematik, Kalligrafie und Astronomie auseinander. Oftmals sind historische Erzählungen und literarische Texte Ausgangspunkt seiner formalen und theoretischen Recherchen. Sein Œuvre umfasst Malerei, Zeichnung und Skulptur.
Charakteristisch für Nasseris Arbeiten ist, dass er die jeweiligen Zeichen und Symbole ästhetisch äusserst präzise einsetzt, durch das kryptische Hinzufügen fantastischer Komponenten jedoch ihrem ursprünglichen Sinnzusammenhang entfremdet. Dem Spiegelraum «Florenz-Bagdad» (2016) liegen Überlegungen zur Geometrie und Geschichte islamischer Muqarnas – wabenartig ornamentaler architektonischer Stilelemente – zugrunde. Die installative Arbeit, die das Museum Haus Konstruktiv 2019 in der Gruppenausstellung «Konkrete Gegenwart» präsentierte, zeigt beispielhaft die Verflechtungen zwischen östlicher und westlicher Kunst- und Kulturgeschichte, für die sich Nasseri interessiert.
Dem Werk «Lepton» (2017) gingen Zeichnungen voraus, in denen Silben, konstruktivistische Muster und Theoreme in komplexen, aber rein intuitiven Zusammenhängen stehen. Das scheinbar vertraute Vokabular an Schriftzeichen und Systemen, das assoziativ mit klaren Verweisen und Bedeutungen in Zusammenhang gebracht wird, erfährt einen Deutungsentzug. Der Künstler skizziert Zeichenwelten, die seiner Imagination entspringen und kreiert damit Rätsel, zu denen der Schlüssel fehlt. Gedanklich nehmen die Zeichnungen Bezug auf Jorge Luis Borges’ Erzählung «Die Bibliothek von Babel» (1941), eine Universalbibliothek, in der die unendlichen Kombinationen von Buchstaben und Wörtern aufbewahrt sind. Einzelne Fragmente der Zeichnungen wurden in skulpturale Formen übertragen, die das unlesbare Wissen als räumliche Zeichnungen ins Dreidimensionale übersetzen. Die Zeichnungen und Skulpturen dieser Serie können in unterschiedlichen Kontexten betrachtet werden, denen der Lesbarkeit, der Notation, der Mathematik als Sprache und der Unmöglichkeit, sich die Unendlichkeit vorzustellen. «Lepton» fand im Anschluss an die Gruppenausstellung «Geometrische Opulenz» (2022), in der Timo Nasseri eine Einzelpräsentation ausgerichtet wurde, Eingang in die Sammlung des Museum Haus Konstruktiv.

Nina Arnold




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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01.12.2022
14:00 Uhr MEZ