30.11.2022 · 16:10

Datierung 1974
Bildmasse 100 x 100 cm
Technik/Material Öl auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Walter Meier AG
Inv.-Nr. SK15004
Gido Wiederkehr

Ohne Titel

Dem Maler Gido Wiederkehr (1941, Rothrist, CH) gelingt mit seinen Werken ein Faszinosum: Auf rein formaler Ebene stehen sie den zentralen Forderungen der konkreten Kunst nah; sie stellen nichts dar, sondern sind autonome Kompositionen aus Formen, Linien und Farben. Sie bilden keine Räume ab, sondern erkennen eine Grundvoraussetzung der Malerei an, die Fläche. Und sie sind rational konzipiert. Auf der Wirkungsebene jedoch eröffnen sie vielschichtige, pulsierende Farbräume, die kleine Durchblicke auf lichtere oder dunklere Räume dahinter zu gewähren scheinen und in denen sich das Bild als Objekt visuell in Farbe und Rhythmus auflöst. Mitunter erzeugen Wiederkehrs Gemälde aufgrund ihrer strukturellen Feinteiligkeit einen so starken optischen Reiz, dass es sich als schwierig erweist, einzelne Partien mit den Augen zu fixieren. Und so kippt das Rationale der Bildkonzeption in ein rational nur schwer fassbares Seherlebnis.
Wird in einem wissenschaftlichen Labor eine Versuchsreihe aufgebaut, so müssen für ein überzeugendes Ergebnis stets einige der Versuchsparameter gleich bleiben. Gido Wiederkehr hält es insofern ähnlich, als er immer wieder ein quadratisches Bildformat wählt und jedes seiner Werke mit einer Struktur versieht, die er in feinen Lasuren Schicht um Schicht aufbaut, manchmal über Monate, manchmal über Jahre hinweg. Die gleichbleibenden Parameter seiner künstlerischen Praxis dienen nicht der Feier des Planmässigen selbst, sondern stecken einen Rahmen für das freie Experimentieren ab, für eine auch nach über fünfzig Schaffensjahren längst nicht erschöpfte Erforschung der Farbe und der Wahrnehmung.
Das früheste der Werke von Gido Wiederkehr in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv stammt aus dem Jahr 1977. Als freier Künstler arbeitet der gelernte Tiefdruckretoucheur und Reproduktionsfotograf jedoch schon seit 1966: Es ist die Hochzeit der Op-Art, die durch Ausstellungen wie «The Responsive Eye» im Museum of Modern Art in New York 1965 eine enorme öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Es ist auch die Zeit der international vernetzten ZERO-Künstler Otto Piene und Heinz Mack, die in ihren Werken mit Strukturen und Licht arbeiten und an einer optische Dematerialisierung ihrer Werke interessiert sind. Neben den künstlerischen Impulsen, die von den Zürcher Konkreten ausgingen, werden auch diese Strömungen Wiederkehr inspiriert haben.
Sein Wissen hat Wiederkehr in den Jahren 1982–2006 als Dozent an der Schule für Gestaltung in Basel weitergegeben, seine künstlerische Arbeit selbst konnte er bereits in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Kunst-am-Bau-Projekten mit anderen teilen.

Britta Schröder




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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30.11.2022
16:00 Uhr MEZ