30.11.2022 · 15:56

Datierung 1984
Bildmasse 40 x 40 cm
Technik/Material Öl auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr. SK08029
Anton Stankowski

Dreiklang

Anton Stankowski (1906, Gelsenkirchen, DE – 1998, Esslingen am Neckar, DE) war ein international renommierter Werbegrafiker und ein für seine konstruktiv-konkreten Werke ebenso geschätzter Künstler. Sein Schaffen umfasst neben allen Spielarten des Grafikdesigns – von der Reklamegestaltung bis zur Entwicklung heute noch bekannter Firmenlogos – zahlreiche Gemälde, Reliefs, Objekte sowie Werke im öffentlichen Raum. Es sind vor allem zwei Aspekte, die Stankowskis vielseitiges künstlerisches und gestalterisches Œuvre wie ein roter Faden zusammenhalten: die Suche nach einer objektiven Bildsprache und die Konzentration auf das Wesentliche. Und so lautete sein Leitspruch: «Frei und angewandt sind eine Einheit.»
Anton Stankowski wuchs im Ruhrgebiet auf, wo er zunächst eine Ausbildung als Dekorations- und Kirchenmaler absolvierte. Von 1926 bis 1928 besuchte er die damals ausgesprochen progressive Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Hier erhielt er Unterricht in Schrift- und Plakatgestaltung sowie wegweisende Lektionen – unter anderem in Fotografie – bei dem Werbegrafiker Max Burchartz. Burchartz, der sich unter dem Einfluss Theo van Doesburgs ganz der exakten Ästhetik der Moderne verschrieben hatte, bezog Stankowski in die Arbeit seiner Agentur «werbebau» mit ein – und empfahl ihn 1929 an einen anderen erfolgreichen Werbegrafiker: Max Dalang in Zürich. Hier sollte Stankowski mit seinen präzisen Typo-Foto-Montagen zu einer Schlüsselfigur der konstruktiven Schweizer Werbegrafik werden. Zudem verkehrte er in Künstlerkreisen, nicht zuletzt mit den Zürcher Konkreten: mit Max Bill, der ebenfalls eine Werbeagentur betrieb, Richard Paul Lohse, der zeitweilig Stankowskis Untermieter war, und Verena Loewensberg, die sich 1981 erinnerte, Stankowski sei Anfang der 1930er-Jahre «einfach der progressivste Grafiker in Zürich» gewesen. «Er hat», so Loewensberg, «die Schräge ins Plakat gebracht. Er hat Fotomontagen gemacht. Er war sehr neu. Und er hat einen grossen Einfluss gehabt.» Die Einführung dynamisierender Diagonalen in seine konstruktiven Bildkompositionen war auch für Stankowskis künstlerisches Schaffen von nachhaltiger Bedeutung, wie das 1984 entstandene Werk «Dreiklang» in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv beispielhaft belegt.
1933 wurde Stankowski die Aufenthaltsgenehmigung entzogen. Er übersiedelte nach Lörrach und arbeitete von dort aus weiter für Schweizer Auftraggeber. 1938 gründete er das «Grafische Atelier» in Stuttgart, wurde jedoch 1940 zum Kriegsdienst eingezogen und kehrte erst 1948 zurück, nach mehrjähriger russischer Kriegsgefangenschaft. Er machte Fotoreportagen für die «Stuttgarter Illustrierte» und eröffnete ein neues Atelier. 1974 entwarf Stankowski eines seiner bekanntesten Logos: das der Deutschen Bank, in dem wieder ein diagonaler Balken auftaucht, diesmal eingefügt in ein Quadrat; ein vereinfachtes Prozentzeichen.
Über lange Zeit war Anton Stankowski seiner freien Kunst zwar beständig, doch eher im Hintergrund nachgegangen. Im Alter kehrte sich das Verhältnis um. Den Auftakt zu einer breiten öffentlichen Wahrnehmung Stankowskis als Künstler gab insbesondere die 1974 in der Staatsgalerie Stuttgart eröffnete Ausstellung «Der Konstruktivismus und seine Nachfolge».

Britta Schröder




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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15:45 Uhr MEZ