DEEN
03.06.2020 · 19:03

Highlights aus der Sammlung

Michael Riedel - Sammlungshighlight

Donnerstag, 21. Mai 2020

Im Spannungsfeld von Kunst und Grafik

Der deutsche Konzeptkünstler Michael Riedel (*1976) ist dafür bekannt, dass er in das «beschreibende» System rund um die Kunstproduktion eingreift, es fortführt und in endlosen Loops für sein eigenes Schaffen verwertet. Am Anfang (und Ende) dieser Prozesse der Aneignung und Wiederholung stehen bei Riedel Kunst vermittelnde Instrumente wie Plakate, Einladungskarten, Kunstmagazine oder Ausstellungskataloge.

Die Arbeit Untitled (Display) von 2014 zählt zu den sogenannten Poster Paintings. Den Ausgangspunkt dieser Serie bilden ausgesuchte Websites, auf denen Riedels Kunst in Bild und Text digital vermittelt wird. Diese Seiten werden im HTML-Format – einer textbasierten Programmiersprache, die den Inhalt einer Website definiert und strukturiert – als Poster ausgedruckt. Die Poster dienen wiederum als Vorlage für die Siebdrucke auf Leinwand. Das technisch-reproduktiv arbeitende System wird so sichtbar gemacht und als Material aus und für Kunst präsentiert. In der Kunst wie im Grafikdesign gängige Begriffe wie «Color», «Drop» oder eben «Display» werden dafür genauso hervorgehoben wie das sich wiederholende Motiv des (Halb-)Kreises. Die geometrischen Grundformen strukturieren das Zusammensetzen der Drucke auf der quadratischen Leinwand und symbolisieren als «Warterädchen», das sich auf dem Bildschirm ankündigt, eine Überlastung des Systems, die Riedel vom digitalen in den analogen Raum einer Ausstellung übersetzt.

Michael Riedel
Untitled (Display), 2014
Sammlung Museum Haus Konstruktiv


Eugen Gomringer - Baumwind

Dienstag, 12. Mai 2020

Es rauscht im Buchstabenwald

«Baum» und «Wind» – die acht Buchstaben dieser beiden Wörter dienen Eugen Gomringer als Bausteine für das quadratische Wortbild von 1961/2014, das als exemplarisches Beispiel visueller Poesie betrachtet werden kann. Inspiriert von den Zürcher Konkreten – Gomringer war einst Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm – initiierte der 1925 in Bolivien geborene und in der Schweiz aufgewachsene Sprachkünstler den Begriff der Konkreten Poesie im deutschsprachigen Raum. In der Arbeit baumwind findet man die acht schwarzen Buchstaben in 13 verschiedenen Ansichten quadratischer Anordnung wieder – als wäre der «Wind» in den «Baum» gerauscht und hätte dessen Buchstaben wie Blätter durcheinandergewirbelt. Die scheinbar zufällig entstandenen Kombinationen schwarzer Zeichen auf weissem Grund lassen diverse Lesevarianten und Assoziationen zu. – Und die Betrachter*innen dürfen ihr Auge durch Gomringers Buchstabenwald wandern lassen, wie man im Herbst durch verwehtes Laub geht.

Eugen Gomringer
baumwind, 1961/2014
Sammlung Museum Haus Konstruktiv


Clare Goodwin, Paul, 2019

Donnerstag, 7. Mai 2020

In ihrer künstlerischen Praxis befasst sich die britisch-schweizerische Künstlerin Clare Goodwin (*1973) insbesondere mit der Malerei. Ihre Werke entwickelt sie dabei in Serien mit jeweils unterschiedlichen Farb- und Kompositionskonzepten–und stets mit englischen Vornamen betitelt, was ihnen einen vermeintlichen Porträtcharakter verleiht.

Paul heisst die Wandmalerei in unserer Sammlung, die auf Goodwins Jahresgabe von 2018 für das Museum Haus Konstruktiv basiert: Aus den 200 kleinformatigen Entwurfsunikaten hat die Künstlerin 2019 anlässlich der Gruppenausstellung Konkrete Gegenwart – Jetzt ist immer auch ein bisschen gestern und morgen ein Stück zur grossflächigen Umsetzung ausgewählt. Der Vorlage gleich, bezieht sich die freie geometrische Abstraktion der Wandmalerei auf suprematistische Kompositionen, deren stringentes Farbkonzept Goodwin mit feinen Gelb-, Lachs- und Rosatönen bricht.

Clare Goodwin
Paul, 2019
Sammlung Museum Haus Konstruktiv


Verena Loewensberg - Sammlungshighlights

Montag, 27. April 2020

Grande Dame unter Konkreten

Kaum eine Strömung hat die Schweizer Kunstlandschaft so eingehend geprägt, wie die Kunst der Zürcher Konkreten. Sie macht denn auch einen wichtigen Teil der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv aus. Besonders hervorzuheben ist Verena Loewensberg (1912–1986), die als einzige Frau zum inneren Kern dieser sonst von männlichen Mitstreitern dominierten Szene angehörte. Anders als ihre Kollegen verfasste sie weder theoretische Texte, noch gab sie ihren Bildern Titel. Sie war stets bestrebt, ihre Malerei für sich sprechen zu lassen. Und das tun die beiden Sammlungswerke: hinter den spielerischen und in ihrem einzigartigen Kolorit ausgeführten Gemälden verbergen sich mathematische Systeme, die die Künstlerin mit analytischem Scharfsinn und mit grosser Sensibilität in Farbformen übersetzte.

links:
Verena Loewensberg
Ohne Titel, 1963
Foto: Stefan Altenburger

rechts:
Verena Loewensberg
Ohne Titel, 1978
Foto: Stefan Altenburger


Ryan Gander - Sammlungshighlight

Donnerstag, 16. April 2020

Zwei Highlights in einem!

Das Museum Haus Konstruktiv hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kunsthistorische Erbe der konstruktiv-konkreten Kunst lebendig zu halten und es mit der internationalen zeitgenössischen Kunstszene zu verknüpfen. Wie kein anderes Werk in unserer Sammlung, verkörpert eine Fotoserie von Ryan Gander (*1976) diesen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Für seine Einzelausstellung im Museum 2010 fotografierte der britische Konzeptkünstler Bildmaterial, das Werke aus unserer Sammlung zeigt, darunter Vier verbundene Gruppen von Richard Paul Lohse von 1952/1966. Indem Gander einen Ausschnitt aus dem reproduzierten Bild auswählt, in dem der obligate Streifen zum Farbabgleich sichtbar bleibt, und seiner Fotografie darüber hinaus einen zweiten Streifen hinzufügt, macht er auf die unterschiedliche Anwendung von Farbe aufmerksam, die in derartigen Reproduktionen aufeinandertreffen: die vom Künstler in der konkreten Kunst oft nach strenger Systematik eingesetzte Farbe und eine nach industriellen Standards normierte, funktionale Farbkarte. Die zweiteilige Fotoarbeit Investigation #15 – Although you’ve given me everything (Lohse) wirft so Fragen nach unterschiedlichen Farbkonzepten, künstlerischer Autorschaft und Dokumentationsweisen auf – und steht für einen humorvollen, zeitgemässen und respektvollen Umgang mit einem zentralen Werk von einer der Schlüsselfiguren der sogenannten Zürcher Konkreten.

Zu Ganders Investigation-Serie gehören weitere fotografische Reproduktionen von Werken von Fritz Glarner, Camille Graser und Thilo Maatsch.

Ryan Gander
Investigation #15 – Although you’ve given me everything (Lohse), 2010
Sammlung Museum Haus Konstruktiv


Erich Buchholz Thumbnail

Montag, 13. April 2020

Schöner Wohnen um 1920

Das Raummodell von 1922 gehört zu den frühesten Werken in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv. Geschaffen wurde es von Erich Buchholz (1891-1972), der als deutscher Grafiker, Maler, Bühnenbildner und Architekt in den 1920er-Jahren eine konstruktivistische Bild- und Raumästhetik entwickelte, die vom Suprematismus geprägt ist. Um 1922 gab er die Malerei auf und wandte sich fortan der Architektur und dem Design zu. Aus dieser Zeit stammt auch das besagte Raummodell. Es zeigt ein formal reduziertes, malerisch-plastisches Raumensemble, das zu den ersten konstruktiv-konkreten Raumgestaltungen in Deutschland zählt.

Erich Buchholz
Raummodell, 1922 (ausgeführt)
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Foto: Stefan Altenburger


Max Bill - Collection Highlight

Samstag, 4. April 2020

Auf der Suche nach etwas Struktur für den Tag?
Dann ist diese ordentliche Serie bestehend aus 15 Lithografien von Max Bill, quinze variations sur un même thème, von 1938 genau das Richtige.

Die Basis dieses ikonischen Werks auf Papier des Schweizer Künstlers Max Bill (1908–1994) bildet eine Spiralform. Sie tut sich aus einer komplexen Reihung gleichlanger Linien hervor. Diese wiederum sind so zueinander geordnet, dass verschiedene geometrische Formen – ein gleichseitiges Dreieck, ein Quadrat, ein regelmässiges Fünfeck und so weiter – nahtlos ineinander übergehen. Das so entstandene Liniengerüst mit dem regelmässigen Achteck als äusserste Begrenzung wird in den weiterführenden Blättern mittels unterschiedlicher Verfahren ergänzt, zum Beispiel durch den Einsatz von Farbe, die Überlagerung mit kreisförmigen Elementen oder die Verbindung von Schwer- und Eckpunkten. Diese Gleichzeitigkeit zweier entgegengesetzter Gestaltungsimpulse – das mathematisch kalkulierte und das lustvoll spielerische künstlerische Schaffen – ist es, die die Faszination mit dieser herausragenden Arbeit einer Schlüsselfigur der sogenannten Zürcher Konkreten ausmacht.

Max Bill
quinze variations sur un même thème, 1938

Lithografie auf Papier
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Foto: Stefan Altenburger



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2020 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
03.06.2020
19:00 Uhr MESZ